Ein Raum hallt, Gespräche sind anstrengend oder im Büro wird es schnell unangenehm laut. Dass die Raumakustik verbessert werden sollte, ist dann meist schnell klar. Schwieriger ist die Frage: Wie viel Akustik braucht der Raum eigentlich – und ist dafür eine professionelle Akustikmessung notwendig?
Die gute Nachricht: Nicht jeder Raum muss aufwendig vermessen werden. Für viele Räume lässt sich anhand von Größe, Nutzung, Einrichtung und Oberflächen bereits sehr gut planen, welche Absorptionsfläche sinnvoll ist.
Bei größeren, offenen oder akustisch anspruchsvollen Räumen kann eine Akustikmessung vor Ort dagegen wertvolle Sicherheit geben. Sie zeigt, wie sich der Schall tatsächlich im Raum verhält und schafft eine verlässliche Grundlage für die weitere Planung.
In diesem Ratgeber erklären wir, wann eine Akustikmessung sinnvoll ist, was dabei gemessen wird und wann eine Planung ohne Messung vollkommen ausreicht.
Was wird bei einer Akustikmessung gemessen?
Eine der wichtigsten Größen zur Beurteilung der Raumakustik ist die Nachhallzeit.
Sie beschreibt vereinfacht gesagt, wie lange ein Geräusch im Raum weiterklingt, nachdem die eigentliche Schallquelle bereits verstummt ist. Je länger der Schall von Wänden, Decken, Glasflächen oder Böden zurückgeworfen wird, desto stärker überlagern sich Stimmen und Geräusche.
Das merken Sie im Alltag zum Beispiel daran, dass:
- Gespräche zunehmend anstrengend werden,
- mehrere Stimmen schnell zu einem Geräuschteppich verschmelzen,
- Sprache schlechter verständlich ist,
- Telefonate und Videokonferenzen unangenehm klingen,
- oder ein Raum subjektiv viel lauter wirkt, als er eigentlich sein müsste.
Bei einer professionellen Messung wird die Nachhallzeit frequenzabhängig erfasst. Die DIN EN ISO 3382-2 beschreibt hierfür Messverfahren für die Nachhallzeit in gewöhnlichen Räumen.
Das Entscheidende für Sie ist jedoch nicht der Messwert allein. Aus den Ergebnissen muss anschließend eine sinnvolle Lösung für den Raum entstehen.
Was bedeutet RT60?
Wenn Sie sich mit einer Akustikmessung beschäftigen, begegnet Ihnen häufig der Begriff RT60.
RT60 bezeichnet die Zeit, die der Schallpegel benötigt, um nach dem Verstummen einer Schallquelle um 60 Dezibel abzufallen. In der Praxis wird die Nachhallzeit häufig aus kleineren Messbereichen wie T20 oder T30 ermittelt und entsprechend hochgerechnet.
Einfacher gesagt: Je länger die Nachhallzeit, desto länger bleibt der Schall im Raum.
Eine kurze Nachhallzeit ist allerdings nicht automatisch immer besser. Entscheidend ist, wie der Raum genutzt wird. Ein Besprechungsraum stellt andere Anforderungen an die Akustik als ein Foyer, eine Kantine oder ein Büro.
Genau deshalb betrachten wir Messwerte nie isoliert.

Muss man die Raumakustik immer messen?
Nein. Eine professionelle Akustikmessung ist nicht für jeden Raum notwendig.
Das ist uns wichtig, denn eine gute Akustikplanung sollte nicht komplizierter oder teurer sein als nötig.
Bei vielen Wohnräumen, Homeoffices oder kleineren Büros können wir den Bedarf bereits anhand weniger Informationen gut einschätzen. Dazu gehören insbesondere:
- Raummaße und Raumhöhe,
- Fotos des Raums,
- Grundriss,
- vorhandene Materialien und Einrichtung,
- Nutzung des Raums,
- und natürlich das akustische Problem, das Sie wahrnehmen.
Aus diesen Informationen lässt sich ableiten, welche Absorptionsfläche voraussichtlich benötigt wird und an welchen Stellen Akustikelemente sinnvoll eingesetzt werden können.
Eine Messung wäre hier häufig mehr Aufwand, ohne dass sie die Lösung entscheidend verändern würde.
Wann ist eine Akustikmessung sinnvoll?
Je komplexer ein Raum wird, desto wertvoller werden reale Messdaten.
Eine professionelle Akustikmessung empfehlen wir insbesondere, wenn mehrere Faktoren zusammenspielen oder eine besonders verlässliche Planungsgrundlage benötigt wird.
Das kann zum Beispiel der Fall sein bei:
- größeren Büroflächen und Open Spaces,
- mehreren miteinander verbundenen Bereichen,
- hohen oder außergewöhnlich geschnittenen Räumen,
- vielen Glasflächen und anderen stark reflektierenden Oberflächen,
- Besprechungs- und Konferenzräumen mit hohen Anforderungen an die Sprachverständlichkeit,
- Kantinen, Foyers oder anderen stark frequentierten Bereichen,
- öffentlichen Einrichtungen,
- oder Räumen, bei denen bereits akustische Maßnahmen vorhanden sind, die Wirkung aber trotzdem nicht überzeugt.
Auch wenn Sie eine größere Investition planen, kann eine vorherige Messung sinnvoll sein. Sie schafft eine objektive Ausgangsbasis und hilft dabei, nicht einfach möglichst viele Schallabsorber einzusetzen, sondern die passende Lösung für den tatsächlichen Bedarf zu planen.
Akustikmessung oder Akustikplanung – was brauche ich?
Die Begriffe werden häufig miteinander vermischt, beschreiben aber nicht dasselbe.
Eine Akustikmessung erfasst den Ist-Zustand. Eine Akustikplanung entwickelt daraus die Lösung. Und genau der zweite Schritt ist für das spätere Ergebnis entscheidend.
Denn ein Messwert sagt Ihnen noch nicht:
Wo sollen die Schallabsorber angebracht werden? Wie viel Fläche wird benötigt? Sind Wandabsorber oder Deckensegel sinnvoller? Welche Formate passen in den Raum? Und wie lässt sich die Akustiklösung so integrieren, dass der Raum anschließend nicht nur besser klingt, sondern auch weiterhin gut aussieht?
Deshalb verbinden wir bei freiraum Akustik die akustische Betrachtung mit der konkreten Akustikplanung, auf Wunsch inklusive Gestaltungskonzept.
Wie läuft eine professionelle Akustikmessung ab?
Bei einer Vor-Ort-Messung wird zunächst der bestehende Raum betrachtet: seine Größe, Nutzung, Einrichtung und die akustisch relevanten Oberflächen.
Anschließend wird die Nachhallzeit an verschiedenen Positionen erfasst und ausgewertet. Die DIN EN ISO 3382-2 definiert hierfür unter anderem Messverfahren, Messpositionen und die Auswertung der Ergebnisse.
Auf dieser Grundlage können wir beurteilen:
- Wie ist die akustische Ausgangssituation?
- Wo besteht Handlungsbedarf?
- Wie viel zusätzliche Absorption ist sinnvoll?
- Und wo können die benötigten Akustikelemente im Raum sinnvoll platziert werden?
So entsteht aus Messwerten ein konkretes Konzept.
Welche Rolle spielt die DIN 18041?
Bei bestimmten Räumen reicht das persönliche Empfinden allein nicht aus. Insbesondere bei Räumen, die der Kommunikation dienen, können normative Anforderungen und Empfehlungen relevant werden.
Die DIN 18041 „Hörsamkeit in Räumen“ behandelt Anforderungen und Empfehlungen für Räume, in denen Sprachkommunikation eine wichtige Rolle spielt. Dazu gehören beispielsweise Unterrichts- und Konferenzräume, aber auch Büros, Kantinen, Foyers und andere Kommunikationsbereiche.
Dabei spielt nicht nur die Raumgröße eine Rolle. Auch Nutzung und Raumvolumen beeinflussen, welche akustischen Bedingungen sinnvoll sind.
Für Wohnräume gilt die DIN 18041 dagegen nicht.
Für Sie bedeutet das: Wir betrachten nicht einfach einen pauschalen Zielwert, sondern den Raum und seine tatsächliche Nutzung.

Warum reicht ein Handy oder Klatschen für eine professionelle Beurteilung nicht aus?
Vielleicht haben Sie bereits ausprobiert, einmal kräftig in die Hände zu klatschen und auf das Echo zu hören.
Das ist durchaus hilfreich, um einen ersten Eindruck zu bekommen. Auch Apps können Hinweise darauf geben, ob ein Raum stark hallt.
Für eine belastbare professionelle Akustikmessung sind solche Methoden jedoch nur eingeschränkt geeignet. Untersuchungen zeigen beispielsweise, dass ein Händeklatschen nicht immer ausreicht, um einen Raum reproduzierbar für eine Nachhallzeitmessung anzuregen.
Für eine erste Einschätzung müssen Sie aber auch nicht selbst zum Akustiker werden.
Oft sind Raummaße, Fotos und eine Beschreibung Ihres Problems der sinnvollere erste Schritt.
Was bringt Ihnen eine Akustikmessung konkret?
Eine Akustikmessung sollte kein Selbstzweck sein. Ihr eigentlicher Nutzen liegt darin, Entscheidungen sicherer zu machen.
Statt Akustikelemente auf Verdacht zu kaufen, erhalten Sie eine Grundlage dafür, wie viel Absorption tatsächlich sinnvoll ist und wo sie eingesetzt werden sollte.
Das bedeutet für Sie:
-
Mehr Planungssicherheit.
Sie wissen vor der Umsetzung, welche Maßnahmen sinnvoll sind. -
Gezielter Materialeinsatz.
Es geht nicht darum, möglichst viele Flächen mit Absorbern zu belegen. -
Bessere Sprachverständlichkeit.
Nachhall und störende Reflexionen können gezielt reduziert werden. -
Mehr Ruhe im Alltag.
Gerade in Büros, Praxen und Kommunikationsräumen kann eine ausgewogene Akustik einen deutlichen Unterschied machen. -
Eine Lösung, die zum Raum passt.
Akustik muss nicht nach technischer Nachrüstung aussehen. Position, Formate, Farben und Motive können von Anfang an in die Gestaltung einbezogen werden.

Kann man den Bedarf an Schallabsorbern auch berechnen?
Ja. Eine erste Einschätzung der benötigten Absorptionsfläche ist auch ohne Messung möglich. Für viele Räume ist das sogar der sinnvollste Einstieg.
Mit unserem kostenlosen Akustik-Rechner können Sie zunächst ermitteln, wie viel Absorptionsfläche für Ihren Raum ungefähr sinnvoll ist. Diesen finden Sie auf allen Produktseiten rechts von den Produktbildern unter dem Button "Wieviele Schallabsorber braucht Ihr Raum?".
Wenn Sie anschließend Unterstützung bei der Auswahl, Größe oder Platzierung benötigen, können wir die Planung gemeinsam konkretisieren.
Denn am Ende geht es nicht darum, einen möglichst exakten Zahlenwert zu produzieren.
Es geht darum, dass Sie anschließend spürbar weniger Hall, bessere Sprachverständlichkeit und einen angenehmeren Raum erleben.
Von der ersten Einschätzung bis zur Akustikmessung: So finden Sie die passende Planung
Nicht jeder Kunde braucht dieselbe Unterstützung. Deshalb können Sie bei uns dort einsteigen, wo es für Ihren Raum sinnvoll ist.
Sie möchten zunächst selbst einschätzen, wie viel Akustik Sie benötigen?
Nutzen Sie unseren Akustik-Rechner als erste Orientierung.
Sie haben Fotos, Grundriss und Raummaße und möchten wissen, welche Lösung passt?
Dann können wir Ihren Raum auf dieser Grundlage gemeinsam planen und geeignete Wand- und Deckenflächen bestimmen.
Sie planen größere oder komplexere Räume?
Dann kann eine professionelle Vor-Ort-Messung die richtige Grundlage sein. Wir erfassen die akustische Ausgangssituation und entwickeln daraus ein passendes Konzept.
So bekommen Sie genau so viel Planung, wie Ihr Projekt tatsächlich braucht – nicht mehr und nicht weniger.
Fazit: Wann lohnt sich eine Akustikmessung?
Eine Akustikmessung ist vor allem bei größeren, komplexen oder besonders anspruchsvollen Räumen sinnvoll. Sie liefert objektive Daten über die bestehende Raumakustik und schafft eine verlässliche Grundlage für die Planung.
Für kleinere und weniger komplexe Räume ist eine Messung dagegen häufig nicht notwendig. Hier können Raummaße, Fotos, Nutzung und eine fachkundige Akustikplanung bereits ausreichen.
Unser Ziel ist deshalb nicht, jeden Raum zu vermessen.
Unser Ziel ist, den sinnvollsten Weg zu einer besseren Raumakustik zu finden.
Damit Sie am Ende nicht möglichst viele Akustikelemente im Raum haben – sondern genau die richtigen.
Häufige Fragen zur Akustikmessung
Was kostet eine Akustikmessung?
Die Kosten hängen unter anderem von der Anzahl und Größe der Räume, dem Messaufwand, der Anfahrt und dem Umfang der anschließenden Planung ab. Bei freiraum Akustik erhalten Sie deshalb ein individuelles Angebot passend zu Ihrem Projekt.
Was wird bei einer Akustikmessung gemessen?
Eine zentrale Messgröße ist die Nachhallzeit. Sie beschreibt, wie lange Schall nach dem Verstummen einer Schallquelle im Raum nachklingt. Professionelle Messungen betrachten die Nachhallzeit frequenzabhängig und an mehreren Messpositionen.
Was ist die RT60?
RT60 steht für die Zeit, in der der Schallpegel nach dem Abschalten einer Schallquelle um 60 Dezibel abnimmt. Sie ist eine wichtige Kenngröße zur Beurteilung der Nachhallzeit eines Raums.
Kann ich die Raumakustik selbst messen?
Apps oder ein Klatschtest können einen ersten Eindruck vermitteln, ersetzen jedoch keine professionelle Akustikmessung. Für viele kleinere Räume ist eine Messung allerdings gar nicht erforderlich. Raummaße, Fotos und Angaben zur Nutzung können für eine fachkundige Planung bereits ausreichend sein.
Wann sollte ich die Raumakustik professionell messen lassen?
Eine professionelle Messung ist besonders bei großen oder komplexen Räumen, offenen Büroflächen, hohen Räumen, vielen reflektierenden Oberflächen oder besonderen Anforderungen an die Sprachverständlichkeit sinnvoll. Auch bei größeren Investitionen kann eine Messung zusätzliche Planungssicherheit schaffen.
Welche Norm gilt für die Messung der Nachhallzeit?
Die DIN EN ISO 3382-2 beschreibt Verfahren zur Messung der Nachhallzeit in gewöhnlichen Räumen. Für die Hörsamkeit und raumakustische Planung bestimmter Räume ist darüber hinaus die DIN 18041 relevant.
