Manchmal ist es im Büro gar nicht besonders laut – und trotzdem fühlt man sich nach einem Arbeitstag erschöpft.
Das Telefon klingelt. Zwei Kollegen unterhalten sich. Nebenan läuft ein Meeting. Jemand lacht, eine Tür fällt ins Schloss. Eigentlich alles ganz normale Geräusche eines Arbeitstages.
Und trotzdem muss unser Gehirn ständig entscheiden: Ist das wichtig für mich – oder kann ich es ignorieren?
Genau hier wird Raumakustik zu mehr als einer Frage des Komforts. Denn wie ein Raum klingt, kann beeinflussen, wie konzentriert, entspannt und wohl wir uns darin fühlen.
→ Weiterführender Artikel: Warum hallen Räume?
Warum uns Bürolärm so anstrengen kann
Besonders Sprache lässt sich nur schwer ausblenden. Unser Gehirn verarbeitet Gespräche automatisch – selbst dann, wenn sie gar nicht für uns bestimmt sind.
Das erklärt, warum ein Büro nicht besonders laut sein muss, um als anstrengend empfunden zu werden.
Eine experimentelle Studie von Sander et al. bei der Cambridge University Press verglich typische Geräusche eines Open-Space-Büros mit einer ruhigeren akustischen Umgebung. Die unmittelbare Leistung bei den untersuchten Aufgaben verschlechterte sich zwar nicht signifikant. Gleichzeitig zeigten sich aber Auswirkungen auf das psychische Wohlbefinden sowie physiologische Stressindikatoren wie Herzfrequenz und Hautleitfähigkeit.
Das finde ich besonders spannend: Wir können also durchaus weiterarbeiten – aber das bedeutet nicht automatisch, dass uns die Umgebung dabei guttut.
Gespräche sind oft störender als gleichmäßige Geräusche
Gerade im Büro ist deshalb nicht nur der reine Geräuschpegel entscheidend.
Eine Befragung von 1.078 Beschäftigten untersuchte sogenannte irrelevant speech – also Gespräche, Telefonate und Lachen anderer Menschen, die für die eigene Arbeit keine Bedeutung haben. Die Befragung zeigte Zusammenhänge mit höherer Lärmbelästigung, schlechter eingeschätzter Arbeitsleistung sowie mehr berichteten Symptomen im Bereich psychische Gesundheit und Wohlbefinden. Die Zusammenhänge waren in Open-Space-Büros ausgeprägter als in kleineren Gemeinschaftsbüros.
Das kennt vermutlich fast jeder aus eigener Erfahrung: Ein gleichmäßiges Hintergrundgeräusch lässt sich irgendwann ausblenden. Bei einem Gespräch zwei Schreibtische weiter hört man dagegen unwillkürlich mit.
→ Link zur Open-Access-Studie bei PubMed Central Di Blasio et al. (2019)]

Gute Raumakustik kann Belastungen reduzieren
Die gute Nachricht: Die akustische Umgebung lässt sich verändern.
Besonders interessant ist dazu eine Studie im Journal of Environmental Psychology von Haapakangas et al (2015). Die Forschenden veränderten in tatsächlich genutzten Open-Space-Büros die Schallabsorption durch absorbierende Decken- und Wandflächen.
Bei besseren akustischen Bedingungen berichteten die Beschäftigten weniger wahrgenommene Störungen und weniger kognitiven Stress. Eine Verbesserung der selbst eingeschätzten beruflichen Effizienz konnten die Forschenden dagegen nicht feststellen.
Gerade diese Differenzierung finde ich wichtig.
Wir versprechen unseren Kunden nicht, dass ein paar Schallabsorber plötzlich jeden produktiver machen. Aber wir können Räume schaffen, in denen weniger Schall zurückgeworfen wird, Gespräche weniger weit tragen und Arbeiten sich akustisch angenehmer anfühlt.
Gute Arbeitsplätze sollten nicht nur gut aussehen
Bei der Gestaltung moderner Büros sprechen wir viel über Ergonomie, Licht, Farben, Pflanzen und flexible Arbeitsplätze.
Die Akustik wird dagegen erstaunlich oft erst dann zum Thema, wenn sich die ersten Mitarbeiter beschweren.
Dabei sollte sie aus meiner Sicht von Anfang an Teil einer guten Arbeitsplatzgestaltung sein.
Denn ein Raum kann wunderschön aussehen – und trotzdem anstrengend sein, wenn Stimmen, Telefonate und andere Geräusche immer wieder von harten Wänden, Glasflächen und Decken zurückgeworfen werden.
→ Weiterführender Artikel: Nachhall reduzieren
→ Weiterführender Artikel: Wie funktionieren Schallabsorber?
Was Unternehmen konkret tun können
Eine bessere Akustik bedeutet nicht automatisch, das ganze Büro mit Akustikelementen auszustatten.
Viel wichtiger ist, zunächst zu verstehen:
- Wo entsteht der störende Schall?
- Wo wird besonders viel gesprochen?
- Welche Flächen reflektieren den Schall?
- Wie viel Absorptionsfläche benötigt der Raum tatsächlich?
- Und an welchen Stellen kann diese Fläche sinnvoll eingesetzt werden?
Oft lässt sich bereits mit gezielt platzierten, hochwirksamen Akustikelementen viel erreichen.
→ Weiterführender Artikel: Wie viele Schallabsorber braucht ein Raum?
→ Weiterführender Artikel: Schallabsorber richtig positionieren
Wer selbst einen ersten Eindruck bekommen möchte, kann dafür unseren kostenlosen Bedarfsrechner nutzen. Diesen findet man bei Akustikbildern, Deckensegel und Raumteilern rechts neben den Produktabbildungen in jedem Produkt unter dem Button "Wieviele Schallabsorber braucht Ihr Raum".
Zusätzlich haben wir einen kostenlosen AkustikPlaner entwickelt, der Schritt für Schritt durch die wichtigsten Fragen der Raumakustik führt.
Und bei größeren Büros, offenen Arbeitswelten oder komplexeren Räumen schauen wir natürlich auch individuell hin – von der professionellen Akustikplanung bis zur Messung und Umsetzung.
Raumakustik ist auch Wertschätzung
Gute Raumakustik sieht man nicht immer sofort.
Gespräche werden angenehmer. Der Raum wirkt ruhiger. Man muss weniger gegen die Umgebung „arbeiten“.
Für mich gehört gute Akustik deshalb zu einer Arbeitsumgebung, die nicht nur funktional und schön ist, sondern auch die Menschen berücksichtigt, die jeden Tag viele Stunden darin verbringen.
Und genau darum geht es am Ende: Räume zu schaffen, in denen Menschen gerne arbeiten.